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Blutdruck richtig messen: So bekommen Sie zu Hause verlässliche Werte

6. Okt.
7 Min. Lesezeit

Der Blutdruck reagiert auf den Moment: auf die Treppe, den Kaffee, die Aufregung, sogar auf ein Gespräch während der Messung. Verlässliche Werte bekommen Sie deshalb nur, wenn Sie immer gleich messen – nach fünf Minuten Ruhe, angelehnt sitzend, mit passender Manschette am freien Oberarm auf Herzhöhe. Aussagekräftig ist nicht die einzelne Zahl, sondern der Mittelwert einer Messwoche mit je zwei Messungen morgens und abends. Dieser Ratgeber zeigt Schritt für Schritt, wie das zu Hause gelingt, welche Fehler die Werte verfälschen und wie Sie Ihre Zahlen einordnen.


Aquarell-Illustration im Kleeblatt-Stil: Blutdruckmessgerät mit Oberarmmanschette neben einem Notizbuch und einem Glas Wasser am Fenster
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Ob Ihre Werte behandelt werden müssen, beurteilt Ihre ärztliche Praxis. Ändern Sie eine verordnete Blutdruckmedikation nie ohne ärztliche Rücksprache.

Das Wichtigste in Kürze

  • Erst fünf Minuten ruhen, dann messen. In der halben Stunde davor kein Kaffee, keine Zigarette, kein Sport und kein Essen.

  • Angelehnt sitzen, beide Füße flach auf dem Boden, die Beine nebeneinander.

  • Die Manschette gehört an den freien Oberarm, zwei bis drei Zentimeter über der Ellenbeuge, auf Herzhöhe.

  • Während der Messung nicht sprechen und nicht bewegen.

  • Morgens und abends je zweimal messen, mit ein bis zwei Minuten Abstand, und jeden Wert aufschreiben.

  • Ab einem Mittelwert von 135/85 mmHg zu Hause sprechen die Leitlinien von Bluthochdruck – ein Fall für die ärztliche Praxis.

  • Oberarmgeräte mit dem Prüfsiegel der Deutschen Hochdruckliga sind für zu Hause die erste Wahl.


Die häufigsten Messfehler

Der Blutdruck schwankt über den Tag, und das Messgerät hält nur fest, was in genau diesem Augenblick ist. Die Grenzwerte Ihrer ärztlichen Praxis beziehen sich deshalb auf Messungen unter festen Bedingungen. Typische Fehlerquellen sind:

  • Keine Ruhepause. Wer direkt nach dem Heimkommen, nach dem Sport oder nach einem Kaffee misst, misst das mit.

  • Eine Manschette in der falschen Größe. Eine zu kleine Manschette zeigt zu hohe Werte, eine zu große zu niedrige.

  • Messen über dem Ärmel oder mit hochgekrempeltem Ärmel. Ein hochgeschobener Ärmel schnürt den Oberarm ein wie eine Staubinde.

  • Der Arm hängt herab oder wird frei gehalten. Dann arbeiten die Muskeln mit, und die Manschette liegt nicht auf Herzhöhe.

  • Sprechen oder Husten während der Messung und in der Pause dazwischen.

  • Nur die guten Werte aufschreiben. Wer hohe Werte weglässt oder so lange nachmisst, bis die Zahl gefällt, verzerrt den Mittelwert.

  • Ein Gerät ohne Manschette. Uhren und Armbänder ohne Manschette gelten nach den europäischen Empfehlungen derzeit nicht als verlässlich genug für ärztliche Entscheidungen.


Schritt für Schritt: So messen Sie richtig

So beschreiben die Nationale VersorgungsLeitlinie Hypertonie und die europäischen Fachgesellschaften eine verlässliche Messung zu Hause:

  1. Vorbereiten. In der halben Stunde vor der Messung kein Kaffee, keine Zigarette, kein Sport und keine Mahlzeit. Wenn nötig, vorher zur Toilette gehen.

  2. Richtig sitzen. Auf einem Stuhl mit Lehne, angelehnt, beide Füße flach auf dem Boden, die Beine nebeneinander.

  3. Manschette auf Herzhöhe. Die Manschette sitzt am freien Oberarm, der untere Rand zwei bis drei Zentimeter über der Ellenbeuge. Zeige- und Mittelfinger sollten gerade noch darunter passen. Der Arm liegt leicht gebeugt und entspannt auf dem Tisch.

  4. Fünf Minuten Ruhe. Bleiben Sie ruhig sitzen, ohne zu sprechen und ohne sich zu bewegen.

  5. Zweimal messen. Atmen Sie normal weiter, sprechen und husten Sie nicht. Nach ein bis zwei Minuten messen Sie ein zweites Mal.

  6. Alles aufschreiben. Beide Werte mit Datum, Uhrzeit und Puls. Zeigt das Gerät einen unregelmäßigen Herzschlag an, notieren Sie auch das.


Infografik: Blutdruck richtig messen in sechs Schritten – Kleeblatt Apotheke
Sechs Schritte zu verlässlichen Werten: vorbereiten, richtig sitzen, Manschette auf Herzhöhe, fünf Minuten Ruhe, zweimal messen und alles aufschreiben. Tipp der Kleeblatt Apotheke.

Oberarm oder Handgelenk: welches Gerät passt

Für zu Hause empfehlen die Deutsche Hochdruckliga und die europäischen Fachgesellschaften vor allem Oberarmgeräte. Handgelenkgeräte messen nur verlässlich, wenn das Handgelenk während der ganzen Messung genau auf Herzhöhe liegt. Sie sind vor allem eine Lösung, wenn am Oberarm keine Manschette richtig sitzt, etwa bei sehr kräftigen Oberarmen.

Mindestens so wichtig ist die Manschette. Messen Sie Ihren Oberarmumfang etwa in der Mitte zwischen Schulter und Ellenbogen und vergleichen Sie ihn mit dem Bereich, der auf der Manschette oder in der Gebrauchsanweisung steht. Manschetten gehören zu ihrem Gerät und lassen sich nicht zwischen verschiedenen Geräten tauschen.

Beim Kauf lohnt der Blick auf das Prüfsiegel der Deutschen Hochdruckliga. Das Siegel erhalten Geräte, die eine Prüfung ihrer Messgenauigkeit an mindestens 96 Personen aus drei Altersgruppen bestanden haben. Nach der Leitlinie der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie sind weltweit nur rund 6 Prozent der angebotenen Geräte ausreichend auf ihre Messgenauigkeit geprüft. Dieselbe Leitlinie weist darauf hin, dass Geräte nach mehr als vier Jahren ungenau werden können.


Wann, wie oft und an welchem Arm Sie messen

Für eine aussagekräftige Messreihe messen Sie an sieben Tagen hintereinander, mindestens aber an drei, jeweils morgens und abends zweimal. Das ergibt vier Werte am Tag und bis zu 28 in der Woche. Gemessen wird morgens vor dem Frühstück und vor der Blutdrucktablette, aber nicht direkt nach dem Aufwachen, und abends in Ruhe vor dem Abendessen.

Sinnvoll ist eine Messwoche vor jedem ärztlichen Kontrolltermin und nach einer Umstellung der Behandlung. Wer wegen Bluthochdruck behandelt wird, misst nach Empfehlung der Deutschen Hochdruckliga am besten jeden Monat eine Woche lang.

Beim allerersten Mal messen Sie an beiden Armen, danach immer an dem Arm mit den höheren Werten.


Werte richtig lesen

Der obere, systolische Wert entsteht, wenn sich das Herz zusammenzieht. Der untere, diastolische Wert beschreibt den Druck, während sich das Herz entspannt. Angegeben wird beides in mmHg. Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie ordnet den Mittelwert einer Messwoche zu Hause seit 2024 so ein:

Mittelwert zu Hause

Einordnung nach ESC 2024

Zum Vergleich: Grenze in der Arztpraxis

unter 120/70 mmHg

nicht erhöht

unter 120/70 mmHg

120/70 bis unter 135/85 mmHg

erhöht

120/70 bis unter 140/90 mmHg

ab 135/85 mmHg

Bluthochdruck

ab 140/90 mmHg

Es reicht, wenn einer der beiden Werte die Grenze erreicht. Zu Hause gelten niedrigere Grenzen, weil die meisten Menschen in der Arztpraxis aufgeregter sind und die Werte dort meist etwas höher ausfallen.

Die Tabelle ist eine Orientierung, keine Diagnose. Werden Sie bereits behandelt, gilt der Zielwert, den Sie mit Ihrer Praxis vereinbart haben.


Blutdrucktagebuch und Mittelwert

Ein einzelner Wert sagt wenig, erst viele Werte unter gleichen Bedingungen ergeben ein verlässliches Bild. Notieren Sie deshalb jede Messung, auf Papier oder in einer App. Viele Geräte speichern die Werte und berechnen den Mittelwert selbst. Die Deutsche Hochdruckliga bietet ein Blutdrucktagebuch zum Ausdrucken an.

Den Mittelwert können Sie auch selbst ausrechnen: alle oberen Werte der Woche addieren und durch die Zahl der Messungen teilen, mit den unteren Werten genauso. Ein einzelner Ausreißer fällt bei 28 Werten kaum ins Gewicht. Das Tagebuch nehmen Sie zum nächsten Arzttermin mit.


Wann Ihre Werte in die ärztliche Praxis gehören

  • Mittelwert der Messwoche ab 135/85 mmHg, auch wenn Sie keine Beschwerden haben

  • Dauerhaft mehr als 10 mmHg Unterschied im oberen Wert zwischen beiden Armen

  • Ihr Gerät zeigt wiederholt einen unregelmäßigen Herzschlag an

  • Werte über 180/110 mmHg: ruhig bleiben und nach etwa 30 Minuten erneut messen. Bleiben sie so hoch oder haben Sie Beschwerden, rufen Sie Ihre Praxis an, außerhalb der Sprechzeiten den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117

  • Sofort den Notruf 112 bei hohen Werten zusammen mit Brustenge, Atemnot, Lähmungen, Seh- oder Sprechstörungen, Verwirrtheit oder einem Krampfanfall

  • In der Schwangerschaft hohe Werte immer sofort ärztlich abklären lassen, hier können auch Werte unter 180/110 mmHg ernst sein

  • Vor jeder Änderung an Ihrer Blutdruckmedikation – die trifft ausschließlich Ihre ärztliche Praxis


Beratung rund ums Blutdruckmessen in Ihrer Kleeblatt Apotheke

Die Nationale VersorgungsLeitlinie Hypertonie rät: „Lassen Sie sich in der Apotheke erklären, wie Ihr Gerät funktioniert.“ Wenn Sie bei uns ein Messgerät kaufen, zeigen wir Ihnen, wie Sie es richtig anlegen. Auch Fragen zum Messen und zum Blutdrucktagebuch beantworten wir gern. Die Einordnung Ihrer Werte bleibt Sache Ihrer ärztlichen Praxis.


Kleeblatt Apotheke in Düsseldorf-Heerdt Schiessstraße 31 (im REWE), 40549 Düsseldorf Montag bis Samstag, 9 bis 19 Uhr


Kleeblatt Apotheke im KronenbergCenter Haedenkampstraße 21, 45143 Essen Montag bis Samstag, 9 bis 20 Uhr


Kleeblatt Apotheke in Krefeld-Fischeln Kölner Str. 557, 47807 Krefeld Montag bis Freitag, 8:30 bis 18:30 Uhr, Samstag 9 bis 13:30 Uhr


Häufige Fragen (FAQ)

Sollte ich morgens oder abends Blutdruck messen?

Beides: morgens und abends je zweimal, im Abstand von ein bis zwei Minuten und immer ungefähr zur selben Uhrzeit. Morgens messen Sie vor dem Frühstück und vor der Blutdrucktablette, aber nicht direkt nach dem Aufwachen, abends in Ruhe vor dem Abendessen.

Beim ersten Mal an beiden Armen, danach immer an dem Arm mit den höheren Werten. Liegt der obere Wert an einem Arm dauerhaft um mehr als 10 mmHg höher als am anderen, sprechen Sie das in Ihrer ärztlichen Praxis an. An einem Arm mit Dialyse-Shunt oder nach einer Entfernung von Lymphknoten in der Achsel wird nicht gemessen.

Für zu Hause werden vor allem Oberarmgeräte empfohlen. Handgelenkgeräte messen nur verlässlich, wenn das Handgelenk während der ganzen Messung genau auf Herzhöhe liegt. Sie sind vor allem eine Lösung, wenn am Oberarm keine Manschette richtig passt. In beiden Fällen lohnt der Blick auf das Prüfsiegel der Deutschen Hochdruckliga.

Zwei Messungen im Abstand von ein bis zwei Minuten, morgens und abends, also vier Werte am Tag. Gemessen wird an mindestens drei, besser an sieben Tagen hintereinander. So kommen bis zu 28 Werte zusammen, aus denen der Mittelwert gebildet wird. Eine solche Messwoche ist vor jedem ärztlichen Kontrolltermin sinnvoll.

Die meisten Menschen sind in der Arztpraxis aufgeregter als zu Hause, und Aufregung kann den Blutdruck steigen lassen. So erklärt es die Nationale VersorgungsLeitlinie Hypertonie, Fachleute sprechen vom Weißkitteleffekt. Deshalb gilt zu Hause eine niedrigere Grenze: 135/85 statt 140/90 mmHg. Es gibt auch den umgekehrten Fall, die maskierte Hypertonie, bei der die Werte nur außerhalb der Praxis erhöht sind.

Liegt der Mittelwert Ihrer Messwoche zu Hause bei 135/85 mmHg oder höher, lassen Sie das ärztlich abklären, auch ohne Beschwerden. Bei mehr als 180/110 mmHg bleiben Sie ruhig und messen nach etwa 30 Minuten erneut. Bleibt der Wert so hoch oder haben Sie Beschwerden, rufen Sie Ihre Praxis an, außerhalb der Sprechzeiten den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117. Bei Brustenge, Atemnot, Lähmungen, Seh- oder Sprechstörungen oder Verwirrtheit wählen Sie sofort den Notruf 112.

Messen Sie Ihren Oberarmumfang mit einem Maßband, etwa in der Mitte zwischen Schulter und Ellenbogen. Auf der Manschette oder in der Gebrauchsanweisung steht, für welchen Umfang sie gedacht ist. Eine zu kleine Manschette zeigt zu hohe Werte, eine zu große zu niedrige. Wenn Sie bei uns ein Messgerät kaufen, zeigen wir Ihnen, wie Sie es richtig anlegen.

Quellen und weiterführende Informationen

  • Programm für Nationale VersorgungsLeitlinien (NVL): Patientenblatt „Bluthochdruck – Wie messe ich meinen Blutdruck richtig?“

  • Programm für Nationale VersorgungsLeitlinien (NVL): Patientenleitlinie Bluthochdruck zur NVL Hypertonie

  • Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC): Leitlinie 2024 zum Management von erhöhtem Blutdruck und Hypertonie

  • Europäische Hochdruckgesellschaft (ESH): Empfehlungen für die Blutdruckmessung in der Praxis und außerhalb der Praxis (2021)

  • Deutsche Hochdruckliga (DHL): Richtig Blutdruck messen

  • Deutsche Hochdruckliga (DHL): Blutdruckmessgeräte mit Prüfsiegel


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