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Temperaturschwankungen und Immunsystem: gut durch die Übergangszeit

8. Sept.
6 Min. Lesezeit

Nicht die Kälte an sich macht anfällig für Infekte, sondern die Bedingungen, die sie mit sich bringt: schlechter durchblutete Nasenschleimhäute, trockene Heizungsluft und deutlich mehr Zeit in geschlossenen Räumen. Im September kommt beides zusammen – mittags zwanzig Grad, nachts einstellig. Dieser Ratgeber erklärt, was in dieser Phase im Körper passiert, was im Alltag wirklich trägt und welche Rolle einzelne Nährstoffe dabei spielen.


Aquarell-Illustration im Kleeblatt-Stil: Schal über einer Stuhllehne, daneben eine dampfende Tasse am Fenster
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden, hohem Fieber oder wiederkehrenden Infekten wenden Sie sich bitte an Ihre ärztliche Praxis.

Das Wichtigste in Kürze

  • Kalte Luft drosselt die Durchblutung der Nasenschleimhaut – die erste Barriere des Körpers arbeitet dann langsamer.

  • Trockene Heizungsluft trocknet die Schleimhäute zusätzlich aus. Feuchte Schleimhaut ist funktionsfähige Schleimhaut.

  • Der Wechsel selbst ist die Belastung: morgens frieren, mittags schwitzen, abends wieder auskühlen.

  • Schlaf, Bewegung an frischer Luft und ausreichend Trinken wirken sich messbar auf die Infektabwehr aus – mehr als jede einzelne Kapsel.

  • Vitamin C, D, Zink und Selen tragen zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei. Das ist etwas anderes als ein Schutz vor Erkältungen.

  • Vitamin D bildet der Körper in unseren Breiten von Oktober bis März kaum selbst – hier lohnt der Blick auf den tatsächlichen Wert.


Warum der Wechsel zwischen warm und kalt fordert

Die Vorstellung, man erkälte sich, weil man friert, hält sich hartnäckig. Richtig daran ist ein Teil: Kalte Luft lässt die Gefäße in der Nasenschleimhaut enger werden. Dadurch gelangen weniger Abwehrzellen dorthin, und die feinen Flimmerhärchen, die Krankheitserreger normalerweise nach außen befördern, arbeiten langsamer. Die Eintrittspforte ist in dieser Phase also schlechter bewacht als sonst.

Dazu kommen zwei Dinge, die mit Temperatur nur indirekt zu tun haben. Sobald geheizt wird, sinkt die Luftfeuchtigkeit in Innenräumen deutlich – und eine ausgetrocknete Schleimhaut verliert genau die Eigenschaft, die sie schützend macht. Und wir halten uns länger drinnen auf, dichter beieinander, bei seltener geöffnetem Fenster. Erreger haben es unter diesen Bedingungen leichter, von einem Menschen zum nächsten zu gelangen.

Der September ist deshalb keine harmlose Zwischenzeit, sondern die Phase, in der sich all das aufzubauen beginnt.


Die Schleimhaut ist die eigentliche Grenze

Man denkt beim Immunsystem meist an das Blut. Der weitaus größte Teil der Auseinandersetzung mit Erregern findet aber an den Schleimhäuten statt – in Nase, Rachen und Bronchien. Dort sitzt ein fein abgestimmtes System aus Schleimfilm, Flimmerhärchen und Abwehrstoffen, das den Großteil dessen abfängt, was wir einatmen.

Dieses System braucht vor allem eines: Feuchtigkeit. Daraus ergeben sich die drei unspektakulärsten, aber wirksamsten Maßnahmen der Übergangszeit – ausreichend trinken, regelmäßig stoßlüften statt dauerhaft kippen, und die Raumtemperatur nicht höher schrauben als nötig. Wer viel in trockenen Räumen sitzt, kann die Nasenschleimhaut zusätzlich mit Salzlösungen feucht halten; welche Form dafür praktisch ist, zeigen wir Ihnen gern.


Was im Alltag tatsächlich trägt

  • Schlaf. In den Tiefschlafphasen laufen zentrale Vorgänge der Immunabwehr ab. Chronischer Schlafmangel ist einer der wenigen Faktoren mit gut belegtem Einfluss auf die Infekthäufigkeit.

  • Bewegung an frischer Luft. Moderate, regelmäßige Bewegung tut der Abwehr gut. Erschöpfende Belastung ohne Erholung wirkt in die andere Richtung.

  • Trinken. Ein bis zwei Liter über den Tag, verteilt statt auf einmal – die Schleimhäute danken es.

  • Das Zwiebelprinzip. Mehrere dünne Schichten statt einer dicken: Sie können reagieren, wenn die Temperatur um zehn Grad springt, und vermeiden das Auskühlen in durchgeschwitzter Kleidung.

  • Händehygiene. Die meisten Erkältungsviren nehmen den Weg über die Hände zum Gesicht, nicht durch die Luft.

  • Essen mit Farbe. Gemüse und Obst der Saison liefern die Mikronährstoffe, um die es weiter unten geht – in einer Form, die der Körper gut verwerten kann.

Infografik: Sechs Dinge, die durch die Übergangszeit tragen – Kleeblatt Apotheke
Sechs Dinge, die durch die Übergangszeit tragen: Schlaf, Bewegung an frischer Luft, ausreichend trinken, Stoßlüften, das Zwiebelprinzip und Händewaschen. Tipp der Kleeblatt Apotheke.

Welche Nährstoffe eine Rolle spielen

Für einige Mikronährstoffe ist die Beteiligung an der normalen Funktion des Immunsystems wissenschaftlich anerkannt und darf entsprechend benannt werden:

Nährstoff

Zulässige Aussage

Wo er natürlicherweise vorkommt

Vitamin C

Trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei

Paprika, Kohl, Beeren, Zitrusfrüchte

Vitamin D

Trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei

Fetter Seefisch, Eigelb – vor allem aber körpereigene Bildung durch Sonnenlicht

Zink

Trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei

Fleisch, Käse, Haferflocken, Nüsse, Hülsenfrüchte

Selen

Trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei

Fisch, Fleisch, Ei, Paranüsse

Vitamin B6

Trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei

Vollkorn, Kartoffeln, Fisch, Bananen

Eisen

Trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei

Fleisch, Hülsenfrüchte, Vollkorn

Diese Formulierung ist bewusst genau so gewählt. „Trägt zu einer normalen Funktion bei“ heißt: Der Nährstoff wird für den regulären Ablauf gebraucht, und ein Mangel stört ihn. Es heißt nicht, dass eine zusätzliche Zufuhr über den Bedarf hinaus vor Erkältungen bewahrt. Diesen Beleg gibt es für keinen der genannten Nährstoffe – und wir sagen Ihnen das lieber offen, als Ihnen etwas anderes zu verkaufen.


Vitamin D: der Sonderfall im Herbst

Vitamin D nimmt eine Ausnahmestellung ein, weil der Körper es überwiegend selbst bildet – in der Haut, unter dem Einfluss von UV-B-Strahlung. In unseren Breiten steht die Sonne allerdings von Oktober bis März zu flach, als dass diese Eigenproduktion nennenswert stattfinden könnte. Der Körper zehrt in dieser Zeit von dem, was er im Sommer angelegt hat.

Wie gut dieser Speicher gefüllt ist, unterscheidet sich von Mensch zu Mensch erheblich: Wer viel draußen war, steht anders da als jemand mit Bürotag und Feierabend im Dunkeln. Ältere Menschen bilden zudem weniger Vitamin D in der Haut.

Genau deshalb ist Vitamin D der Nährstoff, bei dem sich Messen besonders lohnt. Eine Einnahme auf Verdacht ist bei fettlöslichen Vitaminen weniger sinnvoll als bei wasserlöslichen, weil der Körper Überschüsse nicht einfach ausscheidet. Wie eine solche Bestimmung abläuft und was ein Ergebnis aussagt, erfahren Sie bei uns in der Apotheke.


Messen statt raten

Der September ist ein guter Zeitpunkt für diese Frage, weil noch Zeit ist, etwas zu ändern, bevor die dunklen Monate beginnen. Sinnvoll ist dabei die Reihenfolge: erst schauen, dann entscheiden. Ein Wert beantwortet, ob überhaupt etwas fehlt – und macht später sichtbar, ob sich etwas bewegt hat.

Wenn Sie ohnehin Präparate einnehmen, bringen Sie sie gern mit. Wir sehen uns an, was tatsächlich drinsteckt, ob sich Inhaltsstoffe doppeln und ob es Wechselwirkungen mit Ihren übrigen Medikamenten gibt. Das ist häufig der nützlichere Teil des Gesprächs als die Frage nach dem nächsten Produkt.


Wann die ärztliche Praxis der richtige Ort ist

  • Fieber über mehrere Tage, starkes Krankheitsgefühl oder Atemnot

  • Infekte, die ungewöhnlich häufig auftreten oder ungewöhnlich lange dauern

  • Anhaltende Erschöpfung, die sich durch Schlaf nicht bessert

  • Bekannte chronische Erkrankungen oder eine Therapie, die das Immunsystem beeinflusst

  • Schwangerschaft und Stillzeit vor der Einnahme neuer Präparate

  • Kinder mit wiederkehrenden Infekten


Beratung in Ihrer Kleeblatt Apotheke

Ob die Frage nach dem passenden Präparat, der Blick auf Ihre bestehende Einnahmeliste oder die Einordnung eines Laborwerts: Wir nehmen uns die Zeit dafür – und sagen Ihnen auch, wenn aus unserer Sicht nichts nötig ist.


Kleeblatt Apotheke in Düsseldorf-Heerdt Schiessstraße 31 (im REWE), 40549 Düsseldorf Montag bis Samstag, 9 bis 19 Uhr


Kleeblatt Apotheke im KronenbergCenter Haedenkampstraße 21, 45143 Essen Montag bis Samstag, 9 bis 20 Uhr


Kleeblatt Apotheke in Krefeld-Fischeln Kölner Str. 557, 47807 Krefeld Montag bis Freitag, 8:30 bis 18:30 Uhr, Samstag 9 bis 13:30 Uhr


Sie erreichen uns auch über unseren Super Chat, wenn Sie eine Frage vorab klären möchten.


Häufige Fragen (FAQ)

Wird man von Kälte krank?

Nicht direkt. Erkältungen werden von Viren ausgelöst. Kalte Luft senkt aber die Durchblutung der Nasenschleimhaut und verlangsamt die Flimmerhärchen, die Erreger normalerweise abtransportieren. Zusammen mit trockener Heizungsluft und mehr Zeit in Innenräumen entstehen so günstigere Bedingungen für eine Ansteckung.

Die Schleimhäute in Nase und Rachen brauchen Feuchtigkeit, um Erreger abfangen und abtransportieren zu können. Trockene Raumluft entzieht ihnen genau diese Feuchtigkeit. Regelmäßiges Stoßlüften, moderate Raumtemperatur und ausreichend Trinken wirken dem entgegen.

Für Vitamin C, Vitamin D, Vitamin B6, Zink, Selen und Eisen ist anerkannt, dass sie zu einer normalen Funktion des Immunsystems beitragen. Das bedeutet, dass ein Mangel die Abwehr beeinträchtigt – nicht, dass eine zusätzliche Einnahme über den Bedarf hinaus vor Erkältungen bewahrt.

Das hängt von Ihrem Ausgangswert ab. In unseren Breiten steht die Sonne von Oktober bis März zu flach für eine nennenswerte körpereigene Bildung, der Körper zehrt vom Sommerspeicher. Wie voll dieser ist, unterscheidet sich stark. Weil der Körper Überschüsse fettlöslicher Vitamine nicht einfach ausscheidet, ist eine Bestimmung des Werts hier sinnvoller als eine Einnahme auf Verdacht.

Die unspektakulären Dinge: ausreichend Schlaf, regelmäßige moderate Bewegung an frischer Luft, genug trinken, Stoßlüften und Händewaschen. Ihr Einfluss auf die Infekthäufigkeit ist besser belegt als der jedes einzelnen Präparats.

Mehrere dünne Kleidungsschichten statt einer dicken. So können Sie auf Temperatursprünge von zehn Grad und mehr reagieren und vermeiden, in durchgeschwitzter Kleidung auszukühlen – typisch für Wege mit Bus und Bahn im September.

Wenn Infekte ungewöhnlich häufig auftreten, ungewöhnlich lange dauern oder mit anhaltender Erschöpfung einhergehen. Ebenso bei Fieber über mehrere Tage, Atemnot oder starkem Krankheitsgefühl.

Quellen und weiterführende Informationen

  • Robert Koch-Institut (RKI): Akute Atemwegserkrankungen – Übertragung und Schutz

  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): Infektionsschutz im Alltag

  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr

  • Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Erkältung

  • Umweltbundesamt (UBA): Richtig lüften in Wohnräumen

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