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Fieber messen bei Kindern: welche Methode in welchem Alter

6. Okt.
7 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 7. Okt.

Bei Babys misst ein Digitalthermometer im Po am genauesten, ab dem ersten Geburtstag ist ein Ohrthermometer meist genau genug. Fieber beginnt bei Kindern bei 38,5 °C, bei Babys unter drei Monaten schon bei 38,0 °C – dann sollte das Baby sofort ärztlich untersucht werden. Stirn, Achsel und Mund messen ungenauer. Dieser Ratgeber zeigt, welche Methode in welchem Alter passt, wie die Messung gelingt und warum das Befinden Ihres Kindes mehr zählt als die Zahl.


Aquarell-Illustration im Kleeblatt-Stil: Teddybär auf einer Wolldecke, daneben ein Fieberthermometer und ein Glas Wasser auf dem Nachttisch
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Wirkt Ihr Kind sehr krank oder sind Sie unsicher, wenden Sie sich an Ihre Kinderarztpraxis oder außerhalb der Sprechzeiten an den Bereitschaftsdienst unter 116 117.

Das Wichtigste in Kürze

  • Im Po misst man am genauesten. Für Neugeborene und Babys ist das die empfohlene Methode.

  • Ab dem ersten Geburtstag geht auch das Ohr. Ein Ohrthermometer ist dann meist genau genug.

  • Stirnthermometer sind bequem, aber ungenauer – gut für einen ersten Eindruck, nicht für Babys.

  • Die Achsel ist in keinem Alter zu empfehlen. Der Wert liegt im Mittel etwa 0,7 °C zu niedrig.

  • Fieber beginnt bei 38,5 °C, bei Babys unter drei Monaten schon bei 38,0 °C.

  • Nicht die Zahl entscheidet, sondern das Befinden. Fieber muss nicht wegen seiner Höhe gesenkt werden.

  • Meist steckt eine harmlose Virusinfektion dahinter. Nur etwa eines von hundert fiebernden Kindern hat eine ernste Erkrankung.


Ab wann ist es Fieber?

Toben, Aufregung oder zu warme Kleidung lassen ein Kind schnell heiß wirken, ohne dass es Fieber hat. Entscheidend ist der gemessene Wert:

Temperatur, im Po gemessen

Einordnung

Was das heißt

36,5 bis 37,5 °C

Normal

Abends meist etwa ein halbes Grad höher als morgens

37,5 bis 38,5 °C

Erhöhte Temperatur

Noch kein Fieber – Ihr Kind im Blick behalten

ab 38,5 °C

Fieber

Befinden und Warnzeichen entscheiden, nicht die Zahl

ab 38,0 °C unter 3 Monaten

Fieber bei jungen Säuglingen

Sofort ärztlich untersuchen lassen

Die Werte gelten für die Temperatur im Körperinneren, die eine Messung im Po am besten abbildet. Andere Messorte zeigen im Mittel etwas weniger an.


Welche Methode in welchem Alter

Die S3-Leitlinie „Fiebermanagement bei Kindern und Jugendlichen“ der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin von 2025 ordnet die Messorte so ein:

  • Im Po: mit einem Digitalthermometer in jedem Alter die genaueste Methode für zu Hause, bei Neugeborenen und Babys die empfohlene.

  • Im Ohr: ab dem ersten Geburtstag meist ausreichend genau und in Sekunden erledigt. Bei Babys ist die richtige Stelle im Gehörgang schwer zu treffen.

  • An Stirn oder Schläfe: angenehm und sogar im Schlaf möglich, aber ungenauer als Po und Ohr, weil etwa Schweiß den Wert verändert. Bei älteren Kindern zur Orientierung, bei Babys nicht.

  • Im Mund: laut Leitlinie erst bei Jugendlichen und auch dann fehleranfällig, etwa wenn der Mund nicht geschlossen bleibt oder kurz vorher etwas Warmes oder Kaltes getrunken wurde.

  • Unter der Achsel: in keinem Alter empfohlen. Der Wert liegt im Mittel etwa 0,7 °C zu niedrig, bei einem unruhigen Kind bis zu 2 Grad daneben. Ein pauschaler Aufschlag gleicht das nicht aus, weil die Abweichung mit Sitz des Thermometers, Schweiß und Raumtemperatur schwankt.


Infografik: Fieber messen – welche Methode in welchem Alter – Kleeblatt Apotheke
Fieber messen nach Alter: bei Babys im Po, ab dem ersten Geburtstag auch im Ohr, Stirn nur zur Orientierung, Achsel in keinem Alter, Mund erst bei Jugendlichen. Unter drei Monaten ab 38,0 °C sofort ärztlich abklären lassen. Übersicht der Kleeblatt Apotheke.

So messen Sie richtig

Messen Sie in Ruhe und nicht direkt nach dem Toben oder aus dicker Kleidung heraus, denn Bewegung, Aufregung und Umgebungstemperatur verändern den Wert. Kommt Ihr Kind aus der Kälte, lassen Sie es erst eine Weile im Warmen ankommen. Ein ruhig schlafendes Kind wecken Sie nicht zum Messen – davon rät die Leitlinie ausdrücklich ab.


Im Po, in jedem Alter:

Halten Sie das Thermometer während der gesamten Messung gut fest. Kinder können sich plötzlich bewegen, was bei einem ungesicherten Thermometer zu Verletzungen führen kann.

  1. Die Spitze des Digitalthermometers dünn mit fetthaltiger Creme oder Vaseline einreiben.

  2. Babys auf den Rücken legen und die Beine sanft hochhalten. Ältere Kinder liegen meist lieber bäuchlings über Ihrem Schoß.

  3. Nur die Spitze einführen, etwa 1 bis 2 Zentimeter. Bei Widerstand nicht weiterschieben.

  4. Das Thermometer festhalten und Ihr Kind nicht allein lassen, bis der Signalton kommt, meist nach etwa einer Minute.

  5. Danach Thermometer und Hände gründlich reinigen.


Im Ohr, ab dem ersten Geburtstag:

  1. Vorab die Bedienungsanleitung lesen, denn beim Ohrthermometer entscheidet die Handhabung.

  2. Das Ohr sanft etwas nach hinten und oben ziehen, damit der Messfühler zum Trommelfell zeigt.

  3. Den Messfühler vorsichtig in den Gehörgang setzen – der Wert erscheint nach wenigen Sekunden.

  4. Für Vergleiche immer dasselbe Ohr nehmen und die Methode nicht wechseln.


Bei einer Ohrentzündung oder viel Ohrenschmalz messen Sie besser im Po, auch Zugluft verfälscht das Ergebnis. Den Umgang mit dem Ohrthermometer lassen Sie sich am besten zeigen, bevor Ihr Kind krank ist – in der Kinderarztpraxis oder bei uns. Dreimal am Tag zu messen und die Werte mit Uhrzeit und Messort zu notieren, genügt meist.


Welches Thermometer für zu Hause

Für die Hausapotheke reicht ein einfaches Digitalthermometer: Im Po misst es in jedem Alter zuverlässig. Ein Infrarot-Ohrthermometer ist ab dem ersten Geburtstag eine bequeme Ergänzung. Stirn- und Schläfenthermometer taugen für einen ersten Eindruck, nicht für eine genaue Messung. Schnullerthermometer gelten als wenig genau.

Quecksilber-Thermometer sind Geschichte: In der EU dürfen seit April 2009 keine Fieberthermometer mit Quecksilber mehr verkauft werden, heutige Glasthermometer enthalten stattdessen eine Mischung aus Gallium, Indium und Zinn.


Fieber ist kein Feind

Fieber ist keine Krankheit, sondern eine normale und meist hilfreiche Abwehrreaktion. Ansonsten gesunden Kindern schadet es nicht, und es steigt selten über 41 °C. Die meisten Kinder sind nach zwei bis drei Tagen wieder gesund.

Die Leitlinie empfiehlt deshalb, Fieber nicht wegen seiner Höhe zu senken. Ein fiebersenkendes Mittel kommt infrage, wenn Ihr Kind Schmerzen hat oder sich sehr unwohl fühlt, und nur so lange, wie das anhält. Einen Fieberkrampf können diese Mittel laut Leitlinie nicht abwenden. Die richtige Menge richtet sich nach Körpergewicht und Alter, und nicht jeder Wirkstoff ist für jedes Alter zugelassen. Die Elternleitlinie rät, sich das Abmessen in der Arztpraxis oder Apotheke erklären zu lassen – das übernehmen wir gern. Mittel mit Acetylsalicylsäure (ASS) bekommen Kinder und Jugendliche nur auf ärztliche Anweisung.


Was Ihrem Kind guttut: Nähe, Ruhe, ungestörter Schlaf und regelmäßig etwas zu trinken; essen muss es zunächst nicht. Friert es im Fieberanstieg und hat kühle Hände und Füße, darf es warm zugedeckt werden. Ist ihm warm, genügt eine leichte Decke. Wadenwickel kommen nur infrage, wenn Hände und Füße warm sind und Ihr Kind sie mag, und dann körperwarm statt kalt. Ob sie das Fieber nennenswert senken, ist nicht belegt.


Wann Sie mit Ihrem Kind in die ärztliche Praxis gehen sollten

Die Höhe des Fiebers sagt meist wenig darüber aus, ob ein Arztbesuch nötig ist. Wichtiger sind diese Zeichen:

  • Babys unter drei Monaten ab 38,0 °C im Po – junge Säuglinge auch ohne Fieber, wenn sie schlapp wirken, schlecht trinken oder sich ihre Hautfarbe verändert

  • Ihr Kind ist benommen, kaum ansprechbar oder ungewöhnlich schläfrig

  • Schrilles Schreien, starke Schmerzen oder Empfindlichkeit bei Berührung

  • Ein Ausschlag, der sich mit einem Glas nicht wegdrücken lässt

  • Sehr schnelle Atmung oder Luftnot

  • Zeichen von Flüssigkeitsmangel, etwa seit mehr als 12 Stunden kein Urin

  • Ihr Kind wirkt schwer krank, hat einen steifen Nacken oder sehr blasse, graue oder bläuliche Haut

  • Ein erster Fieberkrampf – meist nach wenigen Minuten vorbei, aber immer ärztlich abzuklären

  • Fieber länger als drei Tage

  • Große Sorge oder Unsicherheit – auch das ist ein guter Grund anzurufen


Außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117, im Notfall die 112 oder die nächste Kinderklinik. Scheuen Sie sich nicht, am selben Tag ein zweites Mal in die Praxis zu gehen – Sie kennen Ihr Kind am besten.


Beratung rund ums Fiebermessen in Ihrer Kleeblatt Apotheke

Ob Sie ein Thermometer für ein Neugeborenes suchen, wissen möchten, wie das Ohrthermometer richtig sitzt, oder welche Menge eines fiebersenkenden Mittels zum Gewicht Ihres Kindes passt: Fragen Sie uns. Wir nehmen uns Zeit dafür – und sagen Ihnen offen, wann die Kinderarztpraxis der bessere nächste Schritt ist.


Kleeblatt Apotheke in Düsseldorf-Heerdt Schiessstraße 31 (im REWE), 40549 Düsseldorf Montag bis Samstag, 9 bis 19 Uhr


Kleeblatt Apotheke im KronenbergCenter Haedenkampstraße 21, 45143 Essen Montag bis Samstag, 9 bis 20 Uhr


Kleeblatt Apotheke in Krefeld-Fischeln Kölner Str. 557, 47807 Krefeld Montag bis Freitag, 8:30 bis 18:30 Uhr, Samstag 9 bis 13:30 Uhr


Häufige Fragen (FAQ)

Ab wann spricht man bei Kindern von Fieber?

Ab 38,5 °C, im Po gemessen, bei Babys unter drei Monaten schon ab 38,0 °C. Zwischen 37,5 und 38,5 °C spricht man von erhöhter Temperatur, normal sind 36,5 bis 37,5 °C.

Ein einfaches Digitalthermometer für die Messung im Po. Das ist bei Neugeborenen und Babys die genaueste Methode und wird von der aktuellen Leitlinie empfohlen. Ohr-, Stirn- und Schnullerthermometer messen im ersten Lebensjahr ungenauer.

Ab dem ersten Geburtstag. Dann ist ein Infrarot-Ohrthermometer laut Leitlinie in den meisten Fällen genau genug. Ziehen Sie das Ohr dabei sanft nach hinten und oben und nehmen Sie für Vergleiche immer dasselbe Ohr.

Weniger genau als die Messung im Po oder im Ohr, weil unter anderem Schweiß den Wert verändert. Für einen ersten Eindruck sind sie praktisch, auch im Schlaf. Bei Babys und wenn es auf den genauen Wert ankommt, messen Sie besser im Po oder ab dem ersten Geburtstag im Ohr.

Nein. Fieber schadet ansonsten gesunden Kindern nicht, und die Leitlinie rät, sich am Befinden zu orientieren statt an der Zahl. Hat Ihr Kind Schmerzen oder fühlt es sich sehr unwohl, kann ein fiebersenkendes Mittel sinnvoll sein, dosiert nach Körpergewicht und Alter. Wie Sie richtig abmessen, erklären wir Ihnen gern.

Sofort bei Babys unter drei Monaten ab 38,0 °C, nach einem ersten Fieberkrampf und wenn Ihr Kind benommen ist, schrill schreit, sehr schnell atmet oder Luftnot hat, einen Ausschlag hat, der sich nicht wegdrücken lässt, oder schwer krank wirkt. Außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117, im Notfall die 112.

Meist ist das Fieber nach zwei bis drei Tagen vorbei. Hält es länger als drei Tage an, sollte Ihr Kind ärztlich untersucht werden. Solange es fiebert, bleibt es zu Hause, denn es könnte andere Kinder anstecken. Viele Kitas und Schulen erwarten zusätzlich einen fieberfreien Tag, bevor Ihr Kind wiederkommt.

Quellen und weiterführende Informationen

  • Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ): S3-Leitlinie Fiebermanagement bei Kindern und Jugendlichen, AWMF-Register Nr. 027-074 (2025)

  • Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ): Elternleitlinie zum Umgang mit Fieber bei Kindern und Jugendlichen (2025)

  • Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Fieber bei Kindern, Fieber messen bei Kindern und „Wann in die Arztpraxis?“

  • Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ): Elterninformationen zu Fieber und Fiebermessen

  • Europäische Union (EU): REACH-Verordnung (EG) Nr. 1907/2006, Anhang XVII Nr. 18a (Quecksilber)


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