Hitzschlag und Sonnenstich: Warnzeichen erkennen und richtig handeln
- 31. Juli
- 6 Min. Lesezeit
Sonnenstich und Hitzschlag sind zwei verschiedene Notlagen: Beim Sonnenstich reizt direkte Sonneneinstrahlung auf Kopf und Nacken die Hirnhäute, die Körpertemperatur bleibt dabei meist normal. Beim Hitzschlag versagt die Temperaturregulation des ganzen Körpers, die Kerntemperatur steigt über 40 Grad – ein lebensbedrohlicher Notfall mit Notruf 112. Dazwischen liegt die Hitzeerschöpfung, bei der Flüssigkeits- und Salzverlust den Kreislauf schwächen. Dieser Ratgeber zeigt, woran Sie die drei auseinanderhalten und was im Ernstfall zu tun ist.

Das Wichtigste in Kürze
Sonnenstich: hochroter, heißer Kopf bei sonst normaler Hauttemperatur, Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Übelkeit – oft erst Stunden nach dem Aufenthalt in der Sonne.
Hitzeerschöpfung: blasse, kühle, schweißnasse Haut, Schwäche, Schwindel, schneller Puls. Ursache ist Flüssigkeits- und Salzverlust durch starkes Schwitzen.
Hitzschlag: heiße, oft trockene Haut, Körpertemperatur über 40 Grad, Verwirrtheit bis Bewusstlosigkeit. Sofort Notruf 112.
Erste Maßnahmen bei jedem Verdacht: raus aus der Sonne, hinlegen, Kopf und Nacken kühlen, bei klarem Bewusstsein trinken lassen.
Nichts einflößen, wenn jemand benommen oder bewusstlos ist. Bei Bewusstlosigkeit mit normaler Atmung: stabile Seitenlage.
Kinder und ältere Menschen sind besonders gefährdet. Und niemand bleibt im geparkten Auto zurück, auch nicht „nur kurz".
Sonnenstich: wenn die Sonne direkt auf den Kopf geht
Ein Sonnenstich entsteht durch längere, direkte Sonneneinstrahlung auf den ungeschützten Kopf und Nacken. Die Wärme reizt die Hirnhäute – der übrige Körper ist dabei in der Regel nicht überhitzt. Typisch sind ein hochroter, heißer Kopf bei ansonsten normaler Hauttemperatur, Kopfschmerzen, ein steifer oder schmerzender Nacken, Schwindel, Ohrgeräusche, Übelkeit bis hin zum Erbrechen und innere Unruhe.
Tückisch ist die Verzögerung: Die Beschwerden erreichen ihren Höhepunkt oft erst Stunden nach dem Aufenthalt in der Sonne, etwa am Abend eines Badetags. Besonders gefährdet sind Menschen mit wenig Kopfhaar – und Kinder, deren Schädeldecke dünner ist und deren Temperaturregulation noch nicht ausgereift ist.
Was Sie beim Sonnenstich tun können
Raus aus der Sonne, in den Schatten oder in einen kühlen, ruhigen Raum.
Mit leicht erhöhtem Kopf und Oberkörper lagern.
Kopf und Nacken kühlen, mit feuchten, kühlen Tüchern. Kein Eis direkt auf die Haut.
Trinken lassen, wenn die Person klar bei Bewusstsein ist: Wasser oder Saftschorle in kleinen Schlucken.
Dabeibleiben und beobachten. Bei Bewusstseinsstörungen, wiederholtem Erbrechen oder ausgeprägter Nackensteifigkeit den Notruf 112 wählen. Bei Säuglingen und Kleinkindern gilt: im Zweifel immer ärztlich abklären lassen.
Die Beschwerden klingen bei Ruhe und Kühlung meist innerhalb von ein bis zwei Tagen ab. Bleiben Kopfschmerzen oder Übelkeit länger bestehen, gehört das in ärztliche Abklärung.
Hitzeerschöpfung: wenn Flüssigkeit und Salze fehlen
Wer bei Hitze stark schwitzt und zu wenig nachtrinkt, verliert Flüssigkeit und Mineralstoffe – der Kreislauf gerät ins Rutschen. Typische Zeichen: blasse, kühle, schweißnasse Haut, Schwäche, Schwindel besonders beim Aufstehen, Kopfschmerzen, schneller Puls, manchmal Muskelkrämpfe. Die Körpertemperatur ist normal bis mäßig erhöht.
Die richtigen Maßnahmen: die Person in eine kühle Umgebung bringen, hinlegen, Beine leicht erhöht lagern, beengende Kleidung öffnen – und in kleinen Schlucken trinken lassen: Wasser, Saftschorle oder eine Rehydrationslösung aus der Apotheke, die neben Flüssigkeit auch Mineralstoffe enthält.
Bessert sich der Zustand innerhalb von etwa 30 Minuten nicht oder verschlechtert er sich, gehört die Person in ärztliche Behandlung. Unbehandelt kann aus einer Hitzeerschöpfung ein Hitzschlag werden.
Hitzschlag: der Notfall
Beim Hitzschlag kommt die Temperaturregulation des Körpers an ihre Grenze. Die Kerntemperatur steigt über 40 Grad, das Schwitzen versiegt häufig – die Haut ist dann heiß, rot und trocken. Nach körperlicher Anstrengung, etwa beim Sport, kann sie auch noch feucht sein. Alarmierend ist vor allem, was im Kopf passiert: Verwirrtheit, Taumeln, auffälliges Verhalten, Krampfanfälle, Bewusstseinstrübung bis zur Bewusstlosigkeit.
Wählen Sie sofort den Notruf 112. Ein Hitzschlag ist lebensbedrohlich und gehört immer in notärztliche Behandlung.
Bis der Rettungsdienst eintrifft:
In den Schatten oder einen kühlen Raum bringen, Kleidung öffnen.
Aktiv kühlen: feuchte Tücher auf Stirn, Nacken, Achseln und Leisten, Luft zufächeln. Kein Eiswasser und keine Kühlpacks direkt auf die Haut.
Nichts zu trinken geben, wenn die Person benommen oder bewusstlos ist.
Bei Bewusstlosigkeit mit normaler Atmung: stabile Seitenlage, Atmung fortlaufend kontrollieren.
Sonnenstich, Hitzeerschöpfung oder Hitzschlag? Die Unterschiede auf einen Blick
Merkmal | Sonnenstich | Hitzeerschöpfung | Hitzschlag |
Ursache | Direkte Sonne auf Kopf und Nacken | Flüssigkeits- und Salzverlust durch Schwitzen | Überhitzung des ganzen Körpers |
Haut | Kopf heiß und hochrot, Körper unauffällig | Blass, kühl, schweißnass | Heiß, rot, oft trocken |
Körpertemperatur | Meist normal | Normal bis mäßig erhöht | Über 40 Grad |
Typische Zeichen | Kopfschmerz, Nackensteifigkeit, Übelkeit | Schwäche, Schwindel, schneller Puls | Verwirrtheit, Krampfanfälle, Bewusstseinsstörung |
Was zu tun ist | Schatten, Kopf erhöht lagern, kühlen | Hinlegen, Beine hoch, trinken, kühlen | Sofort 112, bis dahin aktiv kühlen |

Wann Sie sofort den Notruf 112 wählen
Rufen Sie unverzüglich den Notruf, wenn bei einer überhitzten Person eines dieser Zeichen auftritt:
Bewusstseinstrübung, Verwirrtheit oder Bewusstlosigkeit
Heiße, trockene Haut bei hochrotem Kopf oder Körper
Krampfanfall
Wiederholtes Erbrechen, sodass Trinken nicht möglich ist
Keine Besserung trotz Schatten, Kühlung und Trinken
Säuglinge oder Kleinkinder mit Anzeichen einer Überhitzung – hier im Zweifel immer
Besonders gefährdet: Kinder und ältere Menschen
Kinder überhitzen schneller als Erwachsene: Ihre Temperaturregulation ist noch nicht ausgereift, die Schädeldecke dünner, das Haar oft licht. Eine Kopfbedeckung, Schattenpausen und regelmäßiges Trinken gehören für sie an Sommertagen dazu. Und eine Regel gilt ohne jede Ausnahme: Lassen Sie Kinder – und auch Tiere – niemals im geparkten Auto zurück. Der Innenraum erreicht schon nach wenigen Minuten gefährliche Temperaturen, auch bei geöffnetem Fensterspalt und auch im Schatten.
Bei älteren Menschen kündigt sich Überhitzung oft leiser an: Statt zu klagen werden Betroffene still, wirken verwirrt oder unsicher auf den Beinen. Schauen Sie an Hitzetagen regelmäßig bei alleinlebenden Angehörigen und Nachbarn vorbei und stellen Sie Getränke sichtbar bereit.
Am besten kommt es gar nicht so weit: Wie Sie Hitzetage von vornherein gut gestalten – vom Trinken über den Tagesablauf bis zur kühlen Wohnung – lesen Sie in unserem Ratgeber Richtiges Verhalten bei Hitze.
Beratung in Ihrer Kleeblatt Apotheke
Ob die Hausapotheke für den Sommer, eine Rehydrationslösung für unterwegs oder die Frage, wie Sie ältere Angehörige gut durch die Hitzewelle bringen: Wir nehmen uns Zeit dafür. Und wenn Sie unsicher sind, ob Beschwerden ärztlich abgeklärt gehören, sprechen Sie uns an – wir sagen es Ihnen ehrlich.
Hier gelangen Sie zu unseren Standorten.
Sie erreichen uns auch über unseren Super Chat, wenn Sie eine Frage vorab klären möchten.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen Sonnenstich und Hitzschlag?
Beim Sonnenstich reizt direkte Sonne auf Kopf und Nacken die Hirnhäute, die Körpertemperatur bleibt meist normal. Beim Hitzschlag ist der ganze Körper auf über 40 Grad überhitzt – ein lebensbedrohlicher Notfall, bei dem sofort der Notruf 112 gilt.
Woran erkenne ich einen Sonnenstich?
An einem hochroten, heißen Kopf bei sonst normaler Hauttemperatur, an Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Schwindel und Übelkeit. Die Beschwerden erreichen ihren Höhepunkt oft erst Stunden nach dem Aufenthalt in der Sonne, etwa am Abend.
Was ist eine Hitzeerschöpfung?
Eine Kreislaufschwäche durch Flüssigkeits- und Salzverlust bei starkem Schwitzen. Typisch sind blasse, kühle, schweißnasse Haut, Schwäche, Schwindel und ein schneller Puls. Hinlegen, kühlen und in kleinen Schlucken trinken sind die ersten Maßnahmen.
Wann muss ich den Notruf 112 wählen?
Bei Verwirrtheit, Krampfanfällen oder Bewusstseinsstörungen, bei heißer, trockener Haut, bei wiederholtem Erbrechen oder wenn trotz Schatten, Kühlung und Trinken keine Besserung eintritt. Bei Säuglingen und Kleinkindern im Zweifel immer.
Wie kühle ich eine überhitzte Person richtig?
In den Schatten bringen, Kleidung öffnen, feuchte, kühle Tücher auf Stirn, Nacken, Achseln und Leisten legen und Luft zufächeln. Kein Eiswasser und keine Kühlpacks direkt auf die Haut, das belastet den Kreislauf zusätzlich.
Darf eine benommene Person etwas trinken?
Nein. Wer benommen oder bewusstlos ist, kann sich verschlucken. Trinken lassen Sie nur eine Person, die klar bei Bewusstsein ist. Bei Bewusstlosigkeit mit normaler Atmung gilt: stabile Seitenlage, Atmung kontrollieren und Notruf 112.
Warum sind Kinder und ältere Menschen besonders gefährdet?
Kinder überhitzen schneller, weil ihre Temperaturregulation noch nicht ausgereift ist und die Schädeldecke dünner ist. Im Alter lassen Durstgefühl und Schweißproduktion nach, und Warnzeichen wirken unauffällig – Betroffene werden eher still und verwirrt, statt zu klagen.
Quellen und weiterführende Informationen
Robert Koch-Institut (RKI): Gesundheitliche Auswirkungen von Hitze
Deutsches Rotes Kreuz (DRK): Erste Hilfe bei Hitzenotfällen
Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ): Sonnenstich und Hitzschlag bei Kindern
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): Gesundheitstipps für heiße Tage
Deutscher Wetterdienst (DWD): Hitzewarnungen



