Richtiges Verhalten bei Hitze: So kommen Sie gut durch heiße Tage
- 31. Juli
- 6 Min. Lesezeit
Bei Hitze gelten drei Grundregeln: regelmäßig trinken, ohne auf den Durst zu warten, Anstrengung in die kühlen Morgen- und Abendstunden verlegen und die Wohnung tagsüber abdunkeln, statt sie aufheizen zu lassen. Wer zusätzlich Medikamente einnimmt, sollte an heißen Tagen zweimal hinschauen: auf die Lagerung und auf die Wirkstoffe selbst. Dieser Ratgeber fasst zusammen, worauf es ankommt – auch für die Menschen, um die Sie sich kümmern.

Das Wichtigste in Kürze
Trinken Sie regelmäßig über den Tag verteilt, nicht erst bei Durst. Das Durstgefühl meldet sich oft zu spät, im Alter zusätzlich schwächer.
Wasser, verdünnte Saftschorlen und gekühlter Tee sind an heißen Tagen die passende Wahl. Alkohol und stark gezuckerte Getränke belasten den Kreislauf zusätzlich.
Verlegen Sie Sport, Gartenarbeit und Einkäufe in die frühen Morgen- oder späten Abendstunden. Die größte Belastung liegt meist zwischen 11 und 17 Uhr.
Nachts und früh morgens lüften, tagsüber abdunkeln. So bleibt die Wohnung auch ohne Klimaanlage spürbar kühler.
Medikamente gehören nicht über 25 Grad gelagert und niemals ins geparkte Auto. Manche Wirkstoffe verändern zudem, wie der Körper mit Hitze umgeht.
Ältere Menschen, chronisch Erkrankte und kleine Kinder brauchen an Hitzetagen besondere Aufmerksamkeit – oft mehr, als sie selbst einfordern.
Warum Hitze den Körper fordert
Der Körper hält seine Kerntemperatur nahe 37 Grad. Um überschüssige Wärme loszuwerden, erweitert er die Blutgefäße der Haut und schwitzt. Beides hat seinen Preis: Das Herz-Kreislauf-System leistet Mehrarbeit, und mit dem Schweiß gehen Flüssigkeit und Mineralstoffe verloren. Müdigkeit, Konzentrationsprobleme und Kopfschmerzen an heißen Tagen gehen häufig genau darauf zurück.
Ein gesunder Erwachsener gleicht das gut aus, solange Nachschub kommt. Kritisch wird es, wenn das körpereigene Warnsystem nicht mehr zuverlässig arbeitet: Im Alter lässt das Durstgefühl nach, die Schweißproduktion nimmt ab, und chronische Erkrankungen von Herz, Nieren oder Stoffwechsel engen den Spielraum weiter ein. Säuglinge und Kleinkinder wiederum regulieren ihre Temperatur noch nicht zuverlässig und können nicht selbst für Nachschub sorgen.
Trinken: die wichtigste einzelne Maßnahme
Als Faustregel gelten an heißen Tagen mindestens 1,5 bis 2 Liter, bei starkem Schwitzen entsprechend mehr. Verteilen Sie die Menge über den ganzen Tag: ein Glas zu jeder Mahlzeit, eines dazwischen. Praktisch ist eine Karaffe, die morgens gefüllt wird und abends leer sein soll.
Eine wichtige Ausnahme: Wer wegen einer Herz- oder Nierenerkrankung eine ärztlich festgelegte Trinkmenge hat, erhöht sie nicht eigenmächtig. Klären Sie vor der nächsten Hitzewelle, welche Menge dann für Sie gilt.
Gut geeignet sind Leitungswasser, Mineralwasser, verdünnte Saftschorlen und ungesüßter, gekühlter Tee. Eiskalte Getränke wirken verlockend, veranlassen den Körper aber zu zusätzlicher Wärmeproduktion – kühl bis lauwarm ist die bessere Wahl. Alkohol erweitert die Gefäße und kostet Flüssigkeit; an Hitzetagen ist er ein schlechter Begleiter. Wasserreiches Obst und Gemüse wie Melone oder Gurke zählt übrigens zur Flüssigkeitsbilanz dazu, und mehrere kleine, leichte Mahlzeiten sind angenehmer als eine große, schwere.
Der Tagesablauf an heißen Tagen
Legen Sie Sport, Gartenarbeit und Besorgungen in die frühen Morgen- oder späten Abendstunden. Zwischen 11 und 17 Uhr ist die Belastung am größten – wer kann, bleibt dann im Schatten oder in kühlen Räumen. Leichte, helle und luftige Kleidung aus Baumwolle oder Leinen erleichtert dem Körper das Schwitzen, eine Kopfbedeckung gehört bei jedem längeren Aufenthalt in der Sonne dazu. Denken Sie draußen auch an den passenden Lichtschutzfaktor.

Gönnen Sie dem Körper zwischendurch kleine Abkühlungen: ein kühles Fuß- oder Unterarmbad, ein feuchtes Tuch im Nacken, lauwarmes Duschen. Die Haut danach nur abtupfen – die restliche Feuchtigkeit kühlt beim Verdunsten weiter.
Die Wohnung kühl halten – auch ohne Klimaanlage
Lüften Sie, wenn die Luft draußen kühler ist als drinnen: nachts, früh morgens und spät abends, am besten mit Durchzug. Tagsüber bleiben die Fenster geschlossen und möglichst von außen verschattet – Rollläden und Außenjalousien halten am meisten ab, innenliegende Vorhänge sind die Notlösung. Elektrogeräte, die niemand braucht, gehen ganz aus, denn auch der Standby-Betrieb erzeugt Wärme.
Ein Ventilator senkt die Raumtemperatur nicht, aber der Luftzug unterstützt das Verdunsten des Schweißes und macht die Wärme erträglicher. Ab etwa 35 Grad Raumtemperatur bewegt er nur noch heiße Luft.
Für alle – und zusätzlich für Risikogruppen: die Regeln auf einen Blick
Merkmal | Für alle | Zusätzlich für Ältere und chronisch Erkrankte |
Trinken | 1,5 bis 2 Liter, über den Tag verteilt | Trinkplan oder Erinnerungen nutzen, ärztlich festgelegte Mengen vorab anpassen lassen |
Tagesablauf | Anstrengung in Morgen- und Abendstunden | Termine und Wege an Hitzetagen reduzieren, Begleitung organisieren |
Wohnung | Nachts lüften, tagsüber abdunkeln | Kühlsten Raum zum Aufenthaltsraum machen, täglich Kontakt halten |
Medikamente | Unter 25 Grad lagern, nie im Auto | Medikationsplan in der Apotheke auf Hitzetauglichkeit durchsehen lassen |
Medikamente bei Hitze: doppelt hinschauen
Der erste Blick gilt der Lagerung. Die meisten Arzneimittel sind für Temperaturen bis 25 Grad ausgelegt. Ein geparktes Auto erreicht in der Sonne schnell über 60 Grad – dort haben Medikamente auch kurzzeitig nichts verloren. Zäpfchen schmelzen bereits bei Körpertemperatur, und kühlpflichtige Arzneimittel wie Insuline gehören bei 2 bis 8 Grad in den Kühlschrank, unterwegs in eine Kühltasche ohne direkten Kontakt zum Kühlelement, denn Einfrieren verträgt kaum ein Präparat.
Der zweite Blick gilt den Wirkstoffen. Manche Wirkstoffgruppen verändern, wie der Körper mit Hitze umgeht: Entwässernde Mittel verstärken den Flüssigkeitsverlust, blutdrucksenkende Mittel können den Kreislauf an heißen Tagen stärker absenken als gewohnt, Wirkstoffe mit anticholinerger Wirkung – darunter einzelne Psychopharmaka und Blasenmedikamente – dämpfen das Schwitzen und damit die wichtigste Kühlfunktion des Körpers. Auch Abführmittel kosten zusätzlich Flüssigkeit.
Wichtig dabei: Setzen Sie deswegen nichts eigenmächtig ab und ändern Sie keine Dosierung. Bringen Sie stattdessen Ihren Medikationsplan mit. Wir sehen gemeinsam nach, ob etwas dabei ist, das an Hitzetagen besondere Aufmerksamkeit braucht, und besprechen die richtige Sommerlagerung gleich mit.
Woran Sie merken, dass es zu viel wird
Kopfschmerzen, Schwindel, ungewohnte Schwäche oder Übelkeit an einem heißen Tag sind Signale, die Sie ernst nehmen sollten: raus aus der Sonne, hinsetzen oder hinlegen, trinken, kühlen. Achten Sie auch auf Menschen, die sich selbst nicht äußern – von kleinen Kindern bis zu älteren Nachbarn. Wie Sie Sonnenstich, Hitzeerschöpfung und den Notfall Hitzschlag auseinanderhalten und wann der Notruf 112 dazugehört, lesen Sie in unserem Beitrag Hitzschlag und Sonnenstich: Warnzeichen erkennen und richtig handeln.
Beratung in Ihrer Kleeblatt Apotheke
Ob Trinkplan für pflegebedürftige Angehörige, die richtige Sommerlagerung Ihrer Arzneimittel oder die Frage, welche Ihrer Wirkstoffe an Hitzetagen besondere Aufmerksamkeit brauchen: Wir nehmen uns Zeit dafür. Bringen Sie Ihren Medikationsplan mit, dann gehen wir das gemeinsam durch.
Hier gelangen Sie zu unseren Standorten.
Sie erreichen uns auch über unseren Super Chat, wenn Sie eine Frage vorab klären möchten.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie viel sollte ich an heißen Tagen trinken?
Als Faustregel mindestens 1,5 bis 2 Liter, bei starkem Schwitzen mehr, gleichmäßig über den Tag verteilt. Wer eine ärztlich festgelegte Trinkmenge hat, bespricht die Anpassung vorher und erhöht sie nicht eigenmächtig.
Welche Getränke eignen sich bei Hitze am besten?
Leitungswasser, Mineralwasser, verdünnte Saftschorlen und ungesüßter, gekühlter Tee. Besser kühl als eiskalt, denn sehr kalte Getränke regen die Wärmeproduktion des Körpers an. Alkohol und stark gezuckerte Getränke sind an Hitzetagen ungünstig.
Wie bleibt die Wohnung ohne Klimaanlage kühl?
Nachts und früh morgens mit Durchzug lüften, tagsüber Fenster schließen und möglichst von außen verschatten. Unnötige Elektrogeräte ganz ausschalten. Ein Ventilator senkt die Temperatur nicht, sein Luftzug erleichtert aber das Verdunsten des Schweißes.
Warum macht Hitze älteren Menschen mehr zu schaffen?
Im Alter lässt das Durstgefühl nach und der Körper schwitzt weniger, die wichtigste Kühlung fällt also schwächer aus. Chronische Erkrankungen und manche Medikamente engen den Spielraum zusätzlich ein. Regelmäßiges Erinnern ans Trinken ist deshalb die wichtigste Unterstützung.
Können Medikamente die Hitzebelastung verstärken?
Ja. Entwässernde und blutdrucksenkende Mittel, Wirkstoffe mit anticholinerger Wirkung und Abführmittel können Flüssigkeitshaushalt, Kreislauf oder Schwitzen beeinflussen. Setzen Sie nichts eigenmächtig ab, sondern bringen Sie Ihren Medikationsplan zur Beratung mit.
Wie lagere ich Medikamente im Sommer richtig?
Trocken und unter 25 Grad, nie im geparkten Auto oder auf der Fensterbank. Kühlpflichtige Arzneimittel gehören bei 2 bis 8 Grad in den Kühlschrank und unterwegs in eine Kühltasche ohne direkten Kontakt zum Kühlelement.
Woran erkenne ich, dass Hitze zum Notfall wird?
Warnzeichen sind starke Kopfschmerzen, Verwirrtheit, heiße trockene Haut, wiederholtes Erbrechen oder Bewusstseinsstörungen. Dann gilt: Schatten, kühlen und im Zweifel Notruf 112. Die Unterschiede zwischen Sonnenstich, Hitzeerschöpfung und Hitzschlag erklärt unser eigener Ratgeber.
Quellen und weiterführende Informationen
Robert Koch-Institut (RKI): Gesundheitliche Auswirkungen von Hitze
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): Gesundheitstipps für heiße Tage
Umweltbundesamt (UBA): Der Hitzeknigge
Deutscher Wetterdienst (DWD): Hitzewarnungen
ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände: Arzneimittel bei Sommerhitze richtig aufbewahren



