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Reiseübelkeit und Reisedurchfall: Was Sie vor dem Urlaub wissen sollten

  • vor 1 Tag
  • 6 Min. Lesezeit

Reiseübelkeit entsteht, wenn Ihr Gleichgewichtsorgan im Innenohr eine Bewegung meldet, die Ihre Augen nicht bestätigen – etwa beim Lesen im fahrenden Auto. Reisedurchfall dagegen wird fast immer über Wasser und Lebensmittel aufgenommen und klingt meist innerhalb weniger Tage von selbst ab. Beide Beschwerden haben also nichts miteinander zu tun, treffen aber dieselben Menschen zur selben Zeit: auf der Reise. Wichtig ist in beiden Fällen dasselbe – genug Flüssigkeit, realistische Erwartungen und das Wissen, wann Sie ärztlichen Rat brauchen. 


Aquarell-Illustration im Kleeblatt-Stil: gepackter Koffer, Teeglas und gefaltete Landkarte als Hinweis auf die Reiseapotheke
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung. Welche Mittel für Sie, Ihre Kinder oder Ihre bestehenden Medikamente infrage kommen, besprechen wir gerne persönlich mit Ihnen. 

Das Wichtigste in Kürze

  • Reiseübelkeit ist ein Sinneskonflikt, keine Erkrankung. Der Blick auf den Horizont und ein ruhiger Sitzplatz ändern oft mehr als jedes Präparat. 

  • Reisedurchfall ist die häufigste gesundheitliche Störung auf Fernreisen und in aller Regel selbstbegrenzend. 

  • Flüssigkeit und Elektrolyte sind die zentrale Maßnahme bei Durchfall, nicht das Stoppen des Durchfalls. 

  • Warnzeichen: Blut im Stuhl, hohes Fieber, anhaltendes Erbrechen, Zeichen der Austrocknung oder Beschwerden, die trotz ausreichender Flüssigkeitszufuhr länger als drei Tage anhalten oder sich verschlimmern. Dann gehört die Sache in ärztliche Hände. 

  • Kinder, Schwangere, ältere und immungeschwächte Menschen brauchen früher Unterstützung als gesunde Erwachsene. 

  • Planen Sie zwei bis drei Wochen Vorlauf ein, wenn Impfungen oder rezeptpflichtige Mittel für das Reiseland eine Rolle spielen. 


Warum wird uns unterwegs übel?

Ihr Gleichgewichtsorgan sitzt im Innenohr und registriert jede Beschleunigung, jede Kurve, jedes Schlingern. Ihre Augen liefern parallel ein eigenes Bild. Solange beide Meldungen zusammenpassen, merken Sie nichts davon.


Im Auto, im Bus, auf dem Schiff oder im Flugzeug fallen sie auseinander. Das Innenohr meldet Bewegung, die Augen sehen die feststehende Rückenlehne oder das Display in der Hand. Diesen Widerspruch beantwortet der Körper mit Blässe, kaltem Schweiß, Speichelfluss und schließlich Übelkeit. Fachlich heißt das Kinetose.


Daraus folgt unmittelbar, was hilft:


  • Blick nach draußen, auf den Horizont oder einen festen Punkt in Fahrtrichtung. Damit bekommen die Augen dieselbe Information wie das Innenohr

  • Ruhiger Sitzplatz: vorne im Auto, über der Tragfläche im Flugzeug, mittschiffs auf Höhe der Wasserlinie im Schiff

  • Kein Lesen, kein Smartphone, kein Film während der Fahrt

  • Frische Luft, leichte Kost, keine schwere oder sehr fettige Mahlzeit vor der Abfahrt

  • Kopf möglichst ruhig halten, notfalls an die Kopfstütze anlehnen


Reicht das nicht aus, gibt es in der Apotheke verschiedene Ansätze, darunter freiverkäufliche Arzneimittel und pflanzliche Zubereitungen. Welcher davon zu Ihnen, Ihrem Alter und Ihren übrigen Medikamenten passt, klären wir im persönlichen Gespräch. Wichtig zu wissen: Manche dieser Mittel machen müde und sind daher für Fahrerinnen und Fahrer ungeeignet.


Besonderheit bei Kindern

Kinder zwischen etwa zwei und zwölf Jahren sind besonders häufig betroffen. Ein Sitzplatz mit freier Sicht nach vorne, regelmäßige Pausen und leichte, fettarme Mahlzeit vor Reisebeginn statt eines vollen Frühstücks bringen erfahrungsgemäß am meisten. Für Arzneimittel gelten bei Kindern eigene Altersgrenzen und Dosierungen – sprechen Sie uns bitte an, bevor Sie etwas aus der heimischen Hausapotheke mitnehmen. 


Reisedurchfall: wie er entsteht

Reisedurchfall entsteht meistens dadurch, dass Erreger über Trinkwasser, Eiswürfel, ungeschältes Obst, rohe Speisen oder unzureichend erhitzte Lebensmittel aufgenommen werden. Er beginnt typischerweise in den ersten Urlaubstagen und klingt in der Regel nach wenigen Tagen von selbst wieder ab.


Die bekannteste Faustregel für Länder mit unsicherer Trinkwasserversorgung lautet: Kochen, schälen oder darauf verzichten. Konkret heißt das:


  • Getränke aus original verschlossenen Flaschen, kein Leitungswasser, keine Eiswürfel

  • Obst selbst schälen

  • Speisen durchgegart und heiß servieren

  • Gründliche Händehygiene vor dem Essen, unterwegs notfalls mit Händedesinfektionsmittel


Was bei Durchfall wirklich zählt

Der entscheidende Punkt wird häufig verwechselt. Gefährlich ist bei Durchfall nicht der Durchfall selbst, sondern der Verlust von Flüssigkeit und Salzen. Die wichtigste Maßnahme ist deshalb, beides zu ersetzen.


Dafür gibt es Rehydrationslösungen als fertige Pulver zum Auflösen. Sie enthalten Glukose und Elektrolyte in einem abgestimmten Verhältnis. Bereiten Sie die Lösung ausschließlich mit sicherem Wasser zu und trinken Sie sie über den Tag verteilt in kleinen Schlucken (besonders für Kinder und ältere Menschen wichtig). 


Ein Mittel, das die Darmbewegung bremst, kann auf einer langen Busfahrt praktisch sein. Es ist aber ausdrücklich nicht angebracht, wenn Fieber oder Blut im Stuhl auftreten. Auch bei Kindern gelten hier enge Grenzen. Sprechen Sie uns bitte vor der Abreise darauf an, statt im Urlaub zu improvisieren.


Infografik: Was bei Reiseübelkeit und Reisedurchfall in die Reiseapotheke gehört – Kleeblatt Apotheke
Infografik: Reiseapotheke für den Bauch – Rehydrationslösungen, Mittel gegen Übelkeit und Durchfall, Fieberthermometer, Händedesinfektion und die Dauermedikation ins Handgepäck. Tipp der Kleeblatt Apotheke. 

Reiseübelkeit oder Reisedurchfall? Die Unterschiede auf einen Blick

Merkmal

Reiseübelkeit (Kinetose)

Reisedurchfall

Ursache

Sinneskonflikt zwischen Innenohr und Augen

Erreger über Wasser und Lebensmittel

Beginn

Während der Fahrt, oft nach Minuten

Meist in den ersten Urlaubstagen

Typische Zeichen

Blässe, kalter Schweiß, Übelkeit, Erbrechen

Häufiger dünner Stuhl, Bauchkrämpfe

Dauer

Endet mit der Fahrt

In der Regel wenige Tage

Zentrale Maßnahme

Sitzplatz, Blick auf den Horizont

Flüssigkeit und Elektrolyte ersetzen

Ansteckend?

Nein

Ja, über Schmierinfektion möglich

Wann Sie ärztlichen Rat suchen sollten

Suchen Sie ärztliche Hilfe, wenn eines dieser Zeichen auftritt:


  • Blut oder Schleim im Stuhl 

  • Hohes Fieber 

  • Anhaltendes Erbrechen, sodass Sie keine Flüssigkeit bei sich behalten 

  • Zeichen der Austrocknung: sehr wenig oder dunkler Urin, trockene Schleimhäute, Schwindel beim Aufstehen, ausgeprägte Schwäche 

  • Magen-Darm-Beschwerden oder flüssigem Stuhlgang, die länger als drei Tage anhalten oder sich verschlimmern 

  • Starke, anhaltende Bauchschmerzen 


Bei Säuglingen und Kleinkindern, Schwangeren, älteren Menschen und Personen mit geschwächtem Immunsystem gilt eine niedrigere Schwelle. Hier sollten Sie früher ärztlichen Rat einholen und nicht erst abwarten.


Was gehört in die Reiseapotheke?

Eine sinnvolle Reiseapotheke richtet sich nach Reiseziel, Reisedauer, Alter der Mitreisenden und Ihren dauerhaft eingenommenen Medikamenten. Als Grundgerüst für den Magen-Darm-Bereich haben sich bewährt:


  • Rehydrationslösungen, ausreichend Beutel für mehrere Tage

  • Ein Mittel gegen Übelkeit, abgestimmt auf Alter und Verkehrstüchtigkeit

  • Ein Mittel gegen Durchfall, mit klarer Absprache, wann es nicht eingesetzt wird

  • Fieberthermometer

  • Händedesinfektionsmittel

  • Ihre Dauermedikation in ausreichender Menge, plus Reserve im Handgepäck

  • Schmerz- und Fiebermittel

  • krampflösende Mittel

  • ein geeignetes Probiotikum


Denken Sie außerdem an eine Liste Ihrer Medikamente mit Wirkstoffnamen. Handelsnamen unterscheiden sich von Land zu Land, Wirkstoffnamen nicht.


Beratung in Ihrer Kleeblatt Apotheke

Wir stellen Ihre Reiseapotheke gemeinsam mit Ihnen zusammen und prüfen dabei, ob sich Ihre Reisemittel mit Ihrer Dauermedikation vertragen. Bringen Sie dazu gerne Ihren Medikationsplan mit.





Hier gelangen Sie zu unseren Standorten.


Sie erreichen uns auch über unseren Super Chat, wenn Sie eine Frage vorab klären möchten.


Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was hilft am schnellsten gegen Reiseübelkeit?

Am schnellsten wirkt eine Änderung der Sinneseindrücke: Blick nach vorne auf den Horizont, Bildschirm weglegen, frische Luft, Kopf ruhig halten. Reicht das nicht, beraten wir Sie zu freiverkäuflichen Arzneimitteln, die zu Ihrem Alter und Ihren übrigen Medikamenten passen. 

Wie lange dauert Reisedurchfall?

In der Regel wenige Tage. Er klingt meist von selbst ab. Halten die Beschwerden länger als drei Tage an oder kommen Fieber und Blut im Stuhl hinzu, gehört das ärztlich abgeklärt.

Ist Cola mit Salzstangen bei Durchfall sinnvoll?

Nein, das ist ein überholter Hausbrauch. Cola enthält für diesen Zweck zu viel Zucker und zu wenig Salz, Salzstangen liefern kein Kalium. Orale Rehydrationslösungen aus der Apotheke sind darauf abgestimmt und deutlich besser geeignet.

Darf ich ein Mittel gegen Durchfall einfach mitnehmen?

Mitnehmen ja, unbedacht einnehmen nein. Bei Fieber oder Blut im Stuhl ist ein darmberuhigendes Mittel nicht angebracht. Bei Kindern gelten zusätzlich enge Altersgrenzen. Klären Sie die Anwendung deshalb vor der Abreise mit uns.

Was ist bei Reiseübelkeit von Kindern zu beachten?

Kinder zwischen etwa zwei und zwölf Jahren sind besonders oft betroffen. Freie Sicht nach vorne, Pausen und leichte Kost bringen am meisten. Arzneimittel haben bei Kindern eigene Altersgrenzen und Dosierungen. Sprechen Sie uns an, bevor Sie etwas aus der Hausapotheke einpacken. 

Wie früh sollte ich die Reiseapotheke zusammenstellen?

Zwei bis drei Wochen vor Abreise. Dann bleibt genug Zeit, falls für Ihr Reiseland Impfungen oder rezeptpflichtige Mittel eine Rolle spielen und ein Arztbesuch nötig wird. 

Muss ich Medikamente ins Handgepäck oder in den Koffer?

Ihre Dauermedikation gehört ins Handgepäck, damit sie bei verspätetem Gepäck verfügbar bleibt. Nehmen Sie eine Liste mit den Wirkstoffnamen mit, da Handelsnamen im Ausland abweichen. 


Quellen und weiterführende Informationen

  • Robert Koch-Institut (RKI): Informationen zu reiseassoziierten Infektionen

  • Auswärtiges Amt: Medizinische Hinweise zu Reise- und Sicherheitshinweisen

  • Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und Globale Gesundheit (DTG): Reisemedizinische Empfehlungen

  • Weltgesundheitsorganisation (WHO): Rehydrationssalze

  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): Hygiene auf Reisen


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